Mike Potenza von den San Jose Sharks weiß: individualisiertes Training ist der Schlüssel zum vollen Team-Potenzial in der NHL

Mit seiner 11-jährigen Karriere als Konditionstrainer der NHL-Stars San Jose Sharks, ist Mike Potenza einer der führenden Experten der Liga, wenn es um die Fitness von Eishockeyprofis geht. Während seiner Zeit mit dem Team haben die Sharks ganze 10 Mal den Einzug in die Play-Offs geschafft, eine Handvoll Meisterschaften gewonnen und im vergangenen Jahr den Weg ins Finale des Stanley Cup gefunden. 

Um ein NHL-Team so vorzubereiten, dass es über die gesamten 82 Spiele der Saison hinweg auf einem stetig hohen Level spielt, erfordert Kreativität, Agilität und vor allem die richtigen Informationen. Vor Kurzem sprach Potenza in einem Interview über seinen Trainingsansatz, Philosophie und die Anforderungen, denen man als Trainer im hochklassigen Spielbetrieb gerecht werden muss. Auch der Einsatz des Firstbeat Sports Systems kam zur Sprache, das ihm genau die physiologischen Daten liefert, die er braucht, um jeden Spieler des Teams wettkampffähig zu halten – und das jedes Jahr aufs Neue.

Personalisiertes Training und Datenmanagement

Im Profisport zählen Details. Wer individuelles Potenzial im Training ignoriert, wird schwerlich das volle Leistungspotenzial des ganzen Teams aktivieren können. Daraus folgt, dass Trainingsexperten im Training das in den Vordergrund stellen, was am besten für den individuellen Spieler funktioniert. Hinzu kommt, dass sich der Körper eines Spielers im Laufe der Saison und im Laufe seiner gesamten Karriere verändert.

„Was [in der NHL] einzigartig ist, ist dass wir 38-jährige Spieler haben, die seit 19 Jahren in der Liga spielen und gleichzeitig 18-jährige Spieler haben, die seit 2 Wochen dabei sind. Jede Trainingsphilosophie muss also diese Bandbreite irgendwie abdecken“, beschreibt Potenza die Situation.

Unter diesen sich ständig verändernden Voraussetzungen, bietet Technologie eine wirkungsvolle Methode, um einfach und sofort zu zeigen, was im Körper des Spielers gerade passiert. Experten nutzen diese Daten dazu, um den komplizierten Zusammenhang zwischen den Aktionen der Spieler und deren Einfluss auf ihre Körper zu untersuchen. 

Wert des Systems liegt in Echtzeit-Daten

In seinem Gespräch mit John Lally von Pivot Sports beschreibt Potenza, wie er die Analysen der Firstbeat SportsPlattform nutzt, um die physiologischen Daten und Werte zur Trainingsbelastung zu bekommen, die er braucht. Dabei geht es nicht nur darum, nach dem Training auf die Daten zu schauen. Der Wert von Firstbeat liege vor allem darin, „Daten in Echtzeit während des Trainings zu sehen, um Anpassungen durchzuführen und Hinweise zu geben, wenn ein Spieler die Arbeitsbelastung übersteigt.“ 

Während des Trainings der Sharks tragen alle Spieler einen Pulsgurt unter ihrer Ausrüstung, welcher Herzfrequenzdaten kabellos an einen Laptop neben dem Eis sendet. Die Daten werden sofort auf einer Beat-to-Beat-Basis analysiert und auf dem Bildschirm angezeigt. Das gibt Potenza und dem Trainerteam Echtzeit-Daten für Feedback und Einblicke in die aktuelle Physiologie jedes einzelnen Spielers.

Mittlerweile verlassen sich etwa die Hälfte aller NHL-Teams auf die Firstbeat Sports Plattform beim Monitoring von Trainingsbelastung und Regeneration. Für Nachwuchsspieler ist es ein oft genutztes Schulungs-Tool und hat seinen Weg ebenfalls in die NCAA und die Top-Teams der europäischen Ligen gefunden.

Trainingsbelastung messen

Trainingsimpuls (TRIMP) und Trainingseffekt (TE) sind zwei Einheiten, die Potenza als essenziell bei der Überwachung der sich akkumulierenden Belastung für jeden Spieler beschreibt. Es sind Tools, um auf dem Grat zwischen Unter- und Übertraining zu navigieren.

„Wir schätzen das Wissen um die akkumulierte Trainingsbelastung, basierend auf Intensität und Länge einer Einheit, sehr“, erklärt Potenza. Er beschreibt den TRIMP als das wichtigste Maß für „akkumulierte Belastung“ für das Team. „Ich habe den TRIMP extrem viel genutzt, als ich anfing, mit Firstbeat zu arbeiten. Ich sehe ihn immer noch als wichtigen Indikator für die Gesamtbelastung, auch wenn wir verschiedene zusätzliche Maßeinheiten haben, die eine noch mehr Details über die Athletenaktivität gibt.“

Der TRIMP-Score wird aus einer Kombination aus Herzfrequenz – ausgedrückt in Prozenten der maximalen Herzfrequenz des Spielers – und der Zeit, die der Spieler in diesem Intensitätslevel war. Die Formel erlaubt der TRIMP-Kurve, die Akkumulation von Laktat in den Muskeln zu modellieren. 

Der Trainingseffekt (TE) gibt eine andere Perspektive auf das Trainingsbelastungsmanagement. Basierend auf Firstbeat’s EPOC-Modellierungen (Excess Post-Exercise Oxygen Consumption), beschreibt der TE den Effekt einer Trainingseinheit auf die aerobe und anaerobe Fitness des Spielers. Dieser Effekt wird auf einer Skala von 0.0 bis 5.0 widergegeben, welche für jeden Spieler, basierend auf seiner Physiologie, berechnet wird. Neben dem Score wird außerdem der prozentuale Anteil des aeroben und anaeroben Effekts angezeigt.

Die Trainingsbelastung zu verstehen hilft außerdem bei der Verbesserung der Regeneration: „Mit dem TE können wir das erreichte Level im anaeroben Metabolismus erkennen und eine entsprechende Regenerationsstrategie entwickeln. Da im Allgemeinen ein Score von 4.0 oder höher mit einer erhöhten Säurebildung verbunden wird, versuchen wir nach solchen Einheiten, den PH-Wert wieder zu normalisieren“, erklärt Potenza.

Potenza nutzt diese Einheiten außerdem dazu, Trainingsprogramme zu entwickeln, die den tatsächlichen Spielanforderungen gerecht werden. „Wir schauen auf die positionsspezifischen TRIMPs und TEs, um das Belastungs-Erholungs-Verhältnis von Stürmern und Verteidigern zu vergleichen. Eine typische Einheit wird dann so angepasst, dass das Belastungs-Erholungs-Verhältnis für jede Übung signifikant für diese Positionen verändert wird. Es ist extrem wichtig, dass wir die Wirkung jedes Trainings für jede Position kennen und entsprechend die Regeneration planen.“

Bei einer begrenzten Zahl von Trainingstagen im Jahr ist es wichtig, das Beste aus den Spielern herauszuholen – taktisch, emotional, kognitiv und physiologisch. „Ein Trainingsplan zielt typischerweise auf Teile oder alle diese Bereiche ab“, sagt Potenza. „Doch was, wenn das Training zu hart ist und einen Tag vor dem Training signifikante Ermüdung akkumuliert wird? Genau darin liegt die Notwendigkeit des Monitorings von Trainingsbelastung und -intensität durch die Herzfrequenz.“

Der Wert dieser Informationen bringt Potenza in eine Situation, in der er so viele Daten wie möglich sammeln will. „In San Jose ist es unser Ziel, jedes Training der Saison aufzuzeichnen, was auch das Trainingslager vor Saisonstart mit einbezieht. Die Ergebnisse werden mit dem Trainerteam geteilt, sodass sie diese Informationen bei der Planung des nächsten Arbeitstages nutzen können“, schließt Potenza.

Header-Foto: Travis Wise

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