Demnächst stattfindendes Event – Aufgezeichnet am 17 Aug 2017

Das Paradoxon von Training und Verletzungsprävention – ein Lösungsversuch

Gehostet von Dr. Tim Gabbett

Tim Gabbet

Am 17. August 2017 präsentierte Firstbeat Sports ein besonderes Webinar mit Dr. Tim Gabbett, international anerkannter Physiologe und Experte im Bereich von Trainingsbelastung und Verletzungsprävention. Fast 900 Teilnehmer aus dem professionellen Sportbereich der ganzen Welt hatten sich für das Live-Webinar angemeldet. Wie erwartet kam es zu sehr interessanten Diskussionen und Punkten während des Webinars und wir haben hier eine kurze Zusammenfassung über die diskutierten Themen zusammengestellt.

Wie die Trainingsbelastung das Verletzungsrisiko beeinflusst

Die Trainingsbelastung wird oft als negativer, externer Faktor betrachtet, der das Krankheits- oder auch Verletzungsrisiko erhöht. Schließlich verletzt man sich ja nicht vom Rumsitzen auf der Couch. Trotzdem ist es wichtig zu bedenken, dass eine Trainingsbelastung nicht einfach das Verletzungsrisiko erhöht – es kann positive sowie negative Effekte haben.

  • Negativ: Belastungen resultieren in Ermüdung, welche die modifizierbaren Risikofaktoren für Verletzungen beeinflusst. Ermüdung kann die aerobe Kapazität, Kraft, neuromuskuläre Kontrolle und die Gewebe-Resilienz verringern – und damit das Verletzungsrisiko erhöhen.
  • Positiv: Auf der anderen Seite haben wir die Fitnessreize, die durch Trainingsbelastung auftreten. Die verbesserte Fitness durch die Trainingsbelastung hat ebenfalls einen Einfluss auf die modifizierbaren Risikofaktoren für Verletzungen. Eine anhaltende Trainingsbelastung in Kombination mit adäquater Regeneration resultiert in besserer aerober Kapazität, Kraft, neuromuskulärer Kontrolle und Gewebe-Resilienz – und damit einem verringerten Verletzungsrisiko.

Von diesen beiden Fakten ausgehend sieht man also, dass die Trainingsbelastung das Verletzungsrisiko entweder erhöhen oder verringern kann, je nachdem, wo sich der Athlet gerade auf dem Ermüdungs-Fitness-Kontinuum befindet. So ist es unabdingbar, die Belastung zu verstehen und zu kontrollieren, um bessere, sicherere Trainingseinheiten zu schaffen und Athleten dabei zu unterstützen, robuster und resilienter zu werden.

Das Verhältnis von akuter und chronischer Belastung verstehen

Aufbauend auf den Konzepten von Ermüdung und Fitness, die von einer Belastung herrühren, machte Tim mit einem Überblick zu seinem immer bekannter werdenden Verhältnis von akuter und chronischer Belastung (Acute:Chronic Workload Ration) weiter. In diesem Modell sind Fitness und Ermüdung neu spezifiziert im Sinne von kurz- und längerfristiger Belastungen.

Akute Belastung: Analog zur Ermüdung resultierend aus der Trainingsbelastung, werden akute Belastungen als kurz beschrieben, die von einer Einheit bis hin zu einer Woche reichen können.

Chronische Belastung: Mit Blick auf den Fitnessaspekt werden chronische Belastungen über eine längere Zeit aufgebaut, typischerweise über einen Zeitraum von 4-6 Wochen.

Das Verhältnis von akuter und chronischer Belastung bietet schließlich einen Einblick auf das Ausmaß der Ermüdung relativ zum Fitnesslevel, welches durch regelmäßiges Training aufgebaut wurde.

Praktische Tipps für Nutzer

Während seiner Präsentation unterstrich Tim, dass es nicht zwangsläufig die Höhe der Trainingsbelastung ist, die in Bezug auf das Verletzungsrisiko ein Problem für den Athleten darstellt. Es ist die Höhe der Trainingsbelastung im Vergleich zu der Trainingsbelastung, für welche die Athleten tatsächlich vorbereitet wurden.

Der Blick auf das Verhältnis von akuter und chronischer Belastung gibt den richtigen Kontext, um Athleten zur „sweet zone“ zu führen, in der das Verletzungsrisiko signifikant verringert ist – raus aus der „danger zone“, bei der die Verletzungsgefahr bedeutend höher ist. Es wurde angemerkt, dass Verletzungsrisiko nicht gleichbedeutend ist mit Verletzungsrate und dass es oft eine Verzögerung zwischen einer zu hohen Belastung für den Athleten und einer daraus resultierenden Verletzung gibt.

Die spezifischen Hintergründe dieser Konzepte wurden im Webinar besprochen, übersteigen jedoch den Rahmen dieser Zusammenfassung. Allerdings finden Sie auf der Internetseite Gabbett Performance eine tolle Zusammenstellung von Hinweisen, Fallstudien und Forschungsverzeichnissen, in denen Sie weitere Hintergründe zu diesen Themen finden werden.

Als Antwort auf eine Teilnehmerfrage hob Tim hervor, dass das Verhältnis von akuter und chronischer Belastung zwar eine mathematische Form annimmt, allerdings nicht zwangsläufig ein striktes mathematisches Modell ist. Es gibt keinen Durchschnitt oder ein exponentiell gewichtetes Modell, welches Verletzungen aus sich selbst heraus verhindern würde.

„Ich garantiere Ihnen, dass es kein System zum Athleten-Monitoring, keine Datenbank und keine Tabelle auf der Welt gibt, die Verletzungen verringern kann. Es ist das Training, das Verletzungen verringert, Monitoring allein wird das nicht tun. Es ist das physisch harte und angemessene Training, welches die Gefahr von Verletzungen verringert.“ – Tim Gabbett

3 Punkte zum Mitnehmen

Zum Ende der Diskussion hin hob Tim die drei Hauptpunkte hervor, von denen er hoffte, dass die Teilnehmer diese aus diesem Webinar für sich mitnehmen würden. In seinen eigenen Worten:

  1. „Wenn Sie einen robusten Athleten entwickeln wollen, einen der mit der Ermüdung und Intensität des Wettkampfes umgehen kann, dann müssen sie hart und regelmäßig trainieren. Sie müssen chronische Belastungen aufbauen. Wenn ich regelmäßig trainieren sage, meine ich nicht ‚ständig trainieren‘. Da gibt es einen Unterschied, man muss hart trainieren und dann hart regenerieren und dann zurückgehen und das nochmal machen. Aber regelmäßig trainieren heißt nicht, ständig trainieren.“
  2. „Finden Sie heraus, was das „worst case scenario“ für Ihren Sport ist. Das kann auch nur ein 30-sekündiger, extrem hochintensiver Einsatz sein, aber es ist wichtig zu wissen, wie der aussieht und was der Athlet währenddessen machen muss. Denn wenn ein Athlet für die Durchschnittsanforderung des Wettbewerbs trainiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass er für die Härtefälle nicht vorbereitet ist.“
  3. „Sie wollen hart trainieren, Sie wollen für die Härtefälle trainieren, aber Sie wollen dort auch so sicher wie möglich hinkommen. Der beste Weg, wie wir dort hinkommen, ist im Moment das Verhältnis zwischen akuter und chronischer Belastung, denn das hilft uns dabei, unseren Athleten sicher auf eine hohe chronische Belastung zu kommen.“

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Sprecher/in:

Tim Gabbet

Dr. Tim Gabbett Physiologe und Experte im Bereich von Trainingsbelastung und Verletzungsprävention


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